Aufwachsen in einer Opel-Familie

Mein Opa fuhr Opel, mein Vater fuhr (fährt) Opel, meine 3 Onkel fuhren Opel – und mein Bruder machte eine Lehre bei Opel. Einzige Ausnahme war meine Schwester, die aus unerklärlichen Gründen al erstes Auto damals einen Polo erwerben musste – und mit dem hatte sie ständig Ärger.

Vielleicht haben wir auch grundlegend immer darauf rumgeritten, weil es einfach kein Opel war oder das ganze zumindest immer als viel kritischer wahrgenommen – aber ich glaube bis heute, dass der Wagen in unserer Familie nichts taugen konnte. Das ist so wie wenn Dir deine Ex ihren neuen Freund vorstellt – der kann der netteste Mensch der Welt sein – na und? Er ist dennoch ne Pfeife.

Opel Rekord B

Mein Opa hatte den seltenen Rekord B mit 6 Zylindern – satte 100PS brachte ihm das ein – ein Maß, das für lange Zeit die Rekord-Reihe prägen sollte, wenn auch später mit weniger Zylindern – die 6 Zylinder gab es später dann nur noch für den Commodore

Mein Opa hatte eine  älteren Opel Rekord, als ich klein war – einen Rekord B mit 6 Zylindern. Der war älter als unser Auto – aber er war auch cooler. Ein im Grunde einfaches Auto – aber eben auch einen tolles Sechszylinder unter der Haube. Das war damals so richtig etwas und ich hab es meinen Kumpels im Kindergarten immer erzählt, als mein Vater noch einen Rekord mit 4 Zylindern fuhr und das in Deutschland nun mal ganz klar der Standard war.

Zunächst fuhr mein Vater auch Rekord, später hatte mein Vater einen Commodore. Für mich bis heute der beste Opel, den es je gab – in allen Modellreihen. Unser erster war ein Commodore B, 4 türer. Dann kam ein Commodore C – zunächst als 2.5S, dann als 2.5E – der war schon richtig gehoben cool und hatte die Ohrensessel mit Cramael-Velours-Bezügen – erinnert Ihr Euch an die? Ich hab aks Kind manchmal versucht, die glatt zu streichen – in eine Richtung; war aber vollkommen unmöglich.

Ohrensessel mit Velours-Bezügen - damals ein irgendwie cooler Luxus. Und bei so einem Commodore hattest Du immer das Gefühl, dass Du Dir diesen Luuxs auch wirklich leisten kannst, dass er zu Dir passt - beim W123 fühlte sich das für unsere Familie nicht so an, dabei war der gar nicht mal wirklich so viel teurer

Ohrensessel mit Velours-Bezügen – damals ein irgendwie cooler Luxus. Und bei so einem Commodore hattest Du immer das Gefühl, dass Du Dir diesen Luxus auch wirklich leisten kannst, dass er zu Dir passt – beim W123 fühlte sich das für unsere Familie nicht so an, dabei war der gar nicht mal wirklich so viel teurer

Der Commodore C war mein Traum – in der Zeit, als ich so langsam über eigene Autos zu Träumen begann, Mitte der 80er Jahre.

Beim Opel Commodore hattest Du das Gefühl, dass Du dir den Luxus leisten kannst, beim W123 nicht

Ich hatte diesen heimlichen Traum, einen solchen zu fahren. Der Commodore C war cooler als der Rekord und bot mehr Understatement als der Senator – trotz seiner 130PS und seinem satten Sechszylinder. Das war so angenehm gar nicht protzig, das bot kein anderes Auto. Ich hatte die Hoffnung, dass mein Vater ihn behalten würde – hätte er vielleicht sogar, hätte mein Bruder ihn nicht versehentlich in einer Nacht im März in einem unerwartet feuchten Tal gegen einen Baum gesetzt, um ihn dann auf der gegenüberliegenden Strassenseite in einem Bach zu versenken – unrettbar kaputt.

Die feinen Details machen den Unterschied. Eine Berlina-Ausstattung gab es für den Mercedes W123 einfach nicht, die bekamst Du nur bei Opel. Und sie gab dir so ein angenehm erhabenes Gefühl

Die feinen Details machen den Unterschied. Eine Berlina-Ausstattung gab es für den Mercedes W123 einfach nicht, die bekamst Du nur bei Opel. Und sie gab dir so ein angenehm erhabenes Gefühl

Mein Vater verzweifelte schier, als er sich daraufhin einen Senator B kaufen musste, weil Opel einfach keinen Commodore D aufgelegt hatte. Schließlich gab uns der Opel Händler am Ort den Wagen zu einem Guten – ich meine richtig guten – Preis und mein Vater schlug dann doch noch ein, obwohl ihm der Wagen nicht mehr ausreichend Understatement verkörperte.

Senator B

Der Senator B war nun alles andere als protzig im herkömmlichen Sinne – aber das Understatement des Opel Commodore hatte er nicht und irgendwie missfiel meinem Dad das

Das war schon irgendwie interessant. Mein Vater war zu der Zeit einer der jüngsten Prokuristen seiner Firma – heute würde man so etwas wohl eher mit irgendeinem top ausgestatteten Audi A4 mit dicken Alus feiern – nicht so mein Vater.

Der bekam schließlich nach dem Senator einen Firmenwagen – und das wurde dann zunächst auch noch einmal ein Senator, dann zwei Omega B.

Der letzte Dienstwagen meines Vaters war dann der Opel Signum, der letzte sogar mit dieser dicken Diesel-Maschine, die einen wahnsinnigen Spaß gemacht hat.

Zu Beginn der 80er tauchte noch ein weiterer Opel in unserer Familie auf – einer, mit dem wir Kinder nicht gerechnet hatten. Irgendwann kam ich von der Schule nach Hause und ein Kadett D parkte in unserer Auffahrt. Der Wagen meiner Mutter, die ohne das Wissen der Kinder den Führerschein gemacht hatte.

Und was sollte da aus mir werden, als ich die langersehnte Lizenz zum Fahren erwarb…? 😉

8 Gedanken zu „Aufwachsen in einer Opel-Familie

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