Das erste Mal im großen Opel

Ich nannte einen Kadett B mein Eigen, damals, mit 18 Jahrfen. Ein wundervolles Auto, das mir viel Aufmerksamkeit bescherte, weil meine Generation ja eher C-Coupé mit Hosenträgergurten fuhr oder alternativ Kadett D. Reiche Kinder, die damals schon einen Kadett E hatten, waren in meiner Jugend eher dünn gesät, was daran liegen kann, dass ich in einer Kleinstadt aufgewachsen bin. Da fuhr man mit 18 eher Papas Wagen oder eben etwas stark Gebrauchtes oder etwas Kleines.

Senator B

Auch heute noch sexy – sofern man noch einen findet

Kleine gebrauchte Autos konnte ich nicht fahren – dafür gab es den Corsa noch nicht lange genug 😉 Ein Glück. Große durfte ich zunächst nicht recht fahren – da war mein Vater eigen. das lag in erster Linie daran, dass mein älterer Bruder seinen geliebten Commodore C 2.5E gegen einen Baum gesetzt hatte und anschließend in einem nahegelegenen Flussbett zur Kühlung geparkt hatte 😉
Im Anschluss musste meinen Vater einen Senator B kaufen, weil Opel sich strikt weigerte, einen neuen Commodore für ihn zu bauen…

Ich war fast 19, als ich den dann tatsächlich das erste Mal fahren durfte. Mein Wagen sprang ums Verrecken nicht an (wie sich später herausstellen sollte, hatte es eine Tannen-Nadel vis vor die Vergaserdüse geschafft…) und ich musste meine Freundin heim fahren, die noch packen musste, um am nächsten Tag zur Uni zu fahren – und plötzlich zeigte mein Vater Milde und ließ den Autoschlüssel in meine Hand fallen – Und das sogar ohne eine dieser „Und sei ja vorsichtig, Junge“-Bemerkungen, auf die man als Sohn in diesem Moment ja eigentlich eine Art moralischen Rechtsanspruch hat 😉 Aber nein – er gab mir einfach die Autoschlüssel.

Mit der Innenausstattung mochte ich ihn stets lieber als mit Leder

Mit der Innenausstattung mochte ich ihn stets lieber als mit Leder

Ich holte den Wagen leicht angespannt aus der Garage, um Sandra heim zu bringen. Ich glaube in Erinnerung an diesen Abend immer irgendwie, dass mein Vater mir den Schlüssel eigentlich nur gegeben hat, weil meine Eltern Sandra irgendwie wahnsinnig mochten und schon den leichten Verdacht hatten, dass die Tatsache, dass sie 400 Kilometer weit weg studierte, und irgendwie auseinander bringen würde. Vermutlich erzeugte das diese eigenartige Milde.

Aber egal: Senator B 3,0i, 156PS – das Strebermodell mit Kat, der aber auf der Bahn für über 200 gut war – und auf diese Feststellung legte mein Vater immer wert.

Fett, satt, sicher – das Senator-Gefühl

Ich kann kaum beschreiben, wie präzise ich mich an diesen Moment erinnere. Mit einem Male wurde mir schlagartig klar, was so ein großer Wagen wirklich kann. Der vermittelt Dir sofort diese überlegene Entspannung. Durch ausreichend Bewegungsfreiheit, durch ausreichend Leistung – fett, satt, sicher. Und der Senator – und das nicht nur im Vergleich zu meinem Kadett B – war innen einfach schön, sauber verarbeitet, luxuriös – und fühlte sich wahnsinnig leise an. Da gab es elektrische Fensterheber, da gab es sauber einrastende Schalter – und eben dieses Gefühl von Größe im besten Sinne. Der Wagen war ein Traum.

Aus der Perspektive (Das war in etwa die aus meinem Kinderzimmer) fand ich immer, dass da etwas vom Audi 200 drin steckte. Der Opel Senator B war weit cooler, als er erfolgreich war

Aus der Perspektive (Das war in etwa die aus meinem Kinderzimmer) fand ich immer, dass da etwas vom Audi 200 drin steckte. Der Opel Senator B war weit cooler, als er erfolgreich war

Und: Die Fahrt hat mich maßgeblich verändert. Ich hatte kleine Autos grundlegend nie interessant gefunden und immer von einem Commodore geträumt – aber eher theoretisch – und wahrscheinlich, weil unsere Familie stets die großen Opel gehabt hatte. Aber dieser Senator machte mir klar, warum ich einen großen Wagen haben wollte und beeinflusste mein Kaufverhalten der kommenden 20 Jahre in erheblichem Maße.

Ich fuhr ein paar kleinere Umwege an diesem Abend und kam spät heim. Dass ich mir später stets zu große Autos kaufen sollte, hat seinen Ursprung in dieser Nacht. Da ging es nie um Pomp und Protz – den hätte man auch woanders suchen müssen als bei einem im Grunde sachlichen Opel – aber diese Größe und Weite, die man bei modernen Autos ohnehin nicht mehr wirklich bekommt, die nahm mich an diesem Abend gefangen – und das hatte zahlreiche zahlreiche Anschaffungen zur Folge…



2 Gedanken zu „Das erste Mal im großen Opel

  1. Ich habe einen 2.6er von 93 gehabt mit Buisnes Ausstattung.Das ist fantastisch gewesen!!!!!!!! Schade, dass ich den Fehler gemacht habe und ihn weggetan habe.

  2. Genau so habe ich mich gefühlt, als ich letztes Jahr mit 18 zum ersten Mal den gemachten Vectra B meines Vaters fahren durfte. 200 PS, fast volle Hütte Ausstattung… man fühlt sich mit einem Mal so viel entspannter als in einem Corsa, wie ich ihn bis vor kurzem noch mein Eigen nannte. Du musst plötzlich nur noch 30% Gas geben als anstatt wie vorher 60-70%. Am Berg fährt der ganz lässig an, da brauchst du dir keine Sorgen machen, dass die Reifen die Traktion verlieren oder dass du nicht hoch kommst.

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