Den Omega einstellen – war das eigentlich wirtschaftlich notwendig?

Opel Rekord B

Mein Opa hatte den seltenen Rekord B mit 6 Zylindern – satte 100PS brachte ihm das ein – ein Maß, das für lange Zeit die Rekord-Reihe prägen sollte, wenn auch später mit weniger Zylindern – Dass der Rekord in einem Jahr 300.000 Mal gebaut wurde, muss ganz Rüsselsheim mit Stolz erfüllt haben

Gerade bereiten wir für einen Kunden eine Analyse für den Einstieg in die Oberklasse vor – und da kommt es immer wieder zu Gesprächen darüber, wie damals erst Ford mit dem Scorpio und dann Opel mit dem Omega B aus der gehobenen Mittelklasse ausgestiegen sind. An Fahrzeuge wie den Senator und den Signum scheint sich von den jüngeren Managern der Automobil-Branche mal grundlegend niemand so recht zu erinnern. Aber das mal beiseite.

Die Analyse, die dabei hoch kommt, führt etwas zutage, dass uns auch gar nicht mal so klar war. Angeblich war der Omega B ein Flop – so will es der Stammtisch – ein Auto, dass sich nicht gut verkauft hat. Ist das eigentlich wirklich so gewesen.

Wir schauen mal in die Zahlen der Geschichte des Opel Rekord und des Opel Omega – immerhin über die Jahrzehnte ja eines der stabilsten Angebote der oberen Mittelklasse und dadurch dann auch tatsächlich sehr vergleichbar.

Schaut man sich die Zahlen mal an, so wurden vom Rekord A von 1963 bis 1966 tatsächlich spektakuläre 860.000 Fahrzeuge produziert – für einen kleineren, aber boomenden Markt. Das sind weit über 200.000 Autos im Jahr.

In der mikrobisch kurzen Bauzeit von 11 Monaten brachte es der Rekord B auf über 300.000 Stück. Whow.

Der legendäre Rekord C brachte es in rund 5 Jahren auf knapp 1.300.000 Exemplare – etwa 260.000 im Jahr – der Rekord D in ähnlicher Bauzeit noch auf 1.150.000 Exemplare.

Verglichen mit dem Rekord E war der Omega tatsächlich ein Osterei...

Der Rekord E1 war ein Verkjaufshighlight erster Güte – ein echter Volkswagen – und zwar zurecht. In der Summe seiner Eigenschaften war er einfach ein gelungenes Auto

Vom Rekord E wurden in Knapp 9 Jahren rund 1.500.000 Fahrzeuge gebaut – not bad: rund 170.000 Stück pro Jahr gerundet. Das war weniger als bei den Modellen davor. Interessant aber hier: Das erste Modell, der Rekord E1, brachte es in weniger als 5 Jahren auf 993.000 Stück, also immer noch stabile 200.000 im Jahr, was in dieser Klasse einfach nur mega ist – erst der E2 sackte straff herunter auf rund 110 – 120.000 Fahrzeuge. Was war geschehen? Einmal spielte hier sicher der Audi 100 eine Rolle, der 1982 erschienen war, ab 1985 kam der Scorpio hinzu, der entschieden moderner wirkte als der Opel Rekord. Beide kosteten den Rekord E2 Verkäufe. Hinzu kam: Der facegeliftete Rekord E2 war nicht jedermanns Sache – das Modell vor dem Facelift hatte deutlich wertiger gewirkt, was schon an der verchromten Stoßstange lag, die – Zeitgeist hin oder her – aus dem Opel Rekord E2 optisch das weit schwächere Auto machte. 1984 war es außerdem zum Modellwechsel bei Mercedes gekommen – und auch der W124 ließ den Rekord E2 alt aussehen – in Summe war der Wagen einfach nicht mehr ganz markttauglich.

Opel Rekord E2

Der Rekord E2 deutete schon viele Elemente des Omega A an, was klug war, aber wirkungslos – vielen Leuten gilt der Rekord E2 als „der Anfang vom Ende“ – er wirkte weniger wertig als sein Vorgänger und hielt an einigen Stellen plötzlich nicht mehr recht mit der Konkurrenz mit

Dann kam der Omega A und brachte es in 7 Jahren auf fast eine Million Fahrzeuge. Das ist eigentlich sehr interessant, weil der Wagen ja speziell von der Autobild in die Grütze geschrieben wurde und man vermuten würde, dass er weit schlechter hätte laufen müssen – tatsächlich aber verkaufte er sich besser als der Rekord E2, was am Stammtisch auch immer gerne anders kolportiert wurde. Man muss das allerdings etwas einschränken: Den Verkauf hoben auch die neuen Bundesländer an: Die letzten 3 Baujahre des Omege A hatten eine 30% größere Zielgruppe und speziell in den neuen Bundesländern mochte man Opel zunächst sehr gern.

Wer also behauptet, Opel sei da in den 80er Jahren schon „vollkommen eingebrochen,“ wie wir kürzlich in unserem Projekt hörten, der irrt faktisch: Der Omega verkaufte sich in etwa auf dem Niveau schwächerer Rekord-Jahre – und das Angebot der anderen Marken in diesem Segment war deutlich größer geworden – auch das sollte man nicht vergessen. Gleichzeitig stürmten die Leute in der gehobenen Mittelklasse zusehends zu den Premium-Marken – und die bauten nun auch noch große Kombis, was lange eine Domäne der Rüsselsheimer gewesen war. Hätte sich der Omega also immer noch 300.000 Mal im Jahr verkauft, wäre es schlicht nicht mit rechten Dingen zugegangen…

Dann schließlich kommt der Omega B – der es nun angeblich am Ende völlig vergeigt hat und unverkäuflich bei den Opel-Händlern herumstand, wie es die Legende will, weshalb Opel final aus der klassischen heckgetriebenen großen Klasse ausstieg.

Tatsächlich? Ein flüchtiger Blick sagt: Ja, denn Opel hat in 10 Jahren rund 960.000 Omega B verkauft (in manchen Zählungen sind Cadillac-Modelle enthalten, die die Zahl auf über 1.000.000 bringen) – das bedeutet, dass der Omega B es nicht mal mehr auf 100.000 Stück im Jahr schaffte.

Ignacio Lopez

Als er auf dieser Motorhaube angekommen war, wurde bei Opel manch einer deutlich entspannter – zurecht. Aber da waren Kadett E und Omega A schon in die Negativzonen des Marktes gefahren und nicht mehr zu retten. Die Verkaufszahlen des Omega A waren davon aber alles in allem nur in Grenzen betroffen – erstaunlich im Nachhinein

Jedoch… Auch hier trifft der Stammtisch nicht ganz den Kern der Sache: Schaut man sich wieder einmal die Zerlegung an in den Omega B vor dem Facelift und den nach dem Facelift, bei dem Opel leider erneut kein richtig gutes Händchen bewies, so stellen sich die Zahlen anders dar. Tatsächlich nämlich wurden immer noch über 130.000 Omega B im Jahr zugelassen bis 1999.

Mit anderen Worten: Erst nach dem Facelift ging es (heftig) bergab. Und hier sträuben sich einem dann auch wieder die Nackenhaare, da man sich schon mal wieder fragen muss, wie es da um die Unentschlossenheit der GM-Manager stand. Natürlich kann man ein mäßig erfolgreiches Modell in dieser Klasse wohl kaum bis zum St Nimmerleinstag laufen lassen – jedes Auto verkauft sich in den letzten Modelljahren schlechter als die neuere Konkurrenz – eine Binsenweisheit. 1998 hatte der Abschied von Ford aus der großen Klasse einen Aufschrei bewirkt, den Opel eigentlich hätte nutzen sollen – spätestens im Jahr 2000 oder 2001 wäre es Zeit für einen Nachfolger gewesen. Der Mercedes der E-Klasse (w210) hatte mit seinem brutalen Größenwachstum einen neuen Klassenstandard gesetzt, Audi war mit dem ersten echten A6 ein Erfolgsmodell gelungen – und selbst BMW baute nun neuerdings in der Klasse den BMW E34 mit einem sehr sehr anständigen Kofferraum von 1500 Litern.

Omega B Caravan

Der Caravan konnte notfalls schon auch dynamisch, oder? Dennoch erschien vielen das Facelift zu sehr eine Kopie der Premium-Konkurrenz

Was soll man da sagen? Hier hat Opel einfach ganz offensichtlich schon geschnarcht – da fehlte der Mut. Das ist natürlich in vielerlei Hinsicht eine eindimensionale Betrachtung, denn auf der anderen Seite ist ganz klar: Opel tut im Rückblick in vielerlei Hinsicht gut daran, sich auf das zu konzentrieren, was eigentlich im Fokus einer bürgerlichen Marke steht: Bürgerliche Autos zu bauen. Anfang des Jahrtausends hatte Opel effektiv ganz andere Sorgen. Und obwohl wir ja die ersten gewesen wären, die einen Omega C gekauft hätten, muss man ganz klar sagen: Der Vectra C war kein so schlechter Ersatz. Wie auch Ford hatte Opel hier auf den großen Kombi eine Klasse darunter gesetzt, um die Käufer von Scorpio, respektive Omega bei der Stange zu halten – und Opel wie Ford lieferten hier tatsächlich anständige Alternativen.

Interessant ist aus heutiger Sicht eigentlich nur eins: Schaust Du dich mal nach Leuten um, die wieder einen großen Ford wollen, dann ist da nichts, aber auch gar nichts. Tatsächlich hat Ford intern mal geprüft, den damaligen Ford 500 als Scorpio in Deutschland anzubieten – und die Marktforschung war ein Desaster. Würde Opel die Leute nach der Kaufbereitschaft für einen großen Opel fragen, würde – machen wir uns nichts vor – die Kaufbereitschaft sicherlich auch nicht ausreichen, um wirklich einen neuen Omega oder Senator in Serie zu bauen – aber man würde eine Menge Leute finden, die die Idee sympathisch fänden und dann über coole Autos wie den Senator sprechen würden, den Diplomat, all die Autos, die mal etwas dargestellt haben, damals.

In anderen Momenten fragen wir uns aber auch: würden wir das denn eigentlich heute noch unbedingt wollen? Angesichts der Bilder vom Insignia B ist vielleicht ein Auto dieser Größe auch einfach vollkommen ausreichend.

6 Gedanken zu „Den Omega einstellen – war das eigentlich wirtschaftlich notwendig?

  1. Moin Moin,
    bin großer Opel Fan, Commodore B Limo 2.5 / Coupe 2.8, Record D Coupe 2.0, Senator A1 2.5, Monza A1 3.0, Senator 2.8 und Omega A 3.0 24V bin ich gefahren. Den Senator A1 2,8 und Den Omega A 3.0 24v fahre ich immer noch. Ich kann nur sagen, Technik die begeistert. Opel wurde in all den Jahren meist von der Presse ( Auto Bild ) schlecht geredet. Ich finde es schade das es keinen Hecktriebler mehr gibt.

    1. Ja.. diese ganze Geschichte des Schlechtredens müsste man eigentlich mal als Doktorarbeit 3 Jahre lang aufbereiten, was nach unserem Wissen nie wirklich geschehen ist. Da steckten viele kleine Stiche drin und diverse Große von der AutoBild. Im Grunde muss man sich fast wundern, dass Opel noch am Markt ist – am Ende zeigt das nur, was für eine Substanz die Marke hat.

  2. Meine Meinung : im Moment ist der Zug abgefahren für grosse Fahrzeuge die z.b. dem Audi A6 oder der E Klasse entsprechen.
    Bei Opel hat man sich zu sehr und zu lange mit Klein- und Kleinstwagen beschäftigt , das der Kundenkreis der einen Luxuswagen sucht die Tür zu Opel gar nicht findet , weil der Ruf von Opel eher mit Adam oder Corsa verbunden wird .
    Wenn Opel jetzt mit dem Insignia versuchen würde eine halbe Tür aufzumachen wie damals Rekord und Commodore , selbe Basis aber Nobler und besser Motorisiert ,und dazu noch dauerhaft Allrad wobei ich jetzt keine noch höher aufgeblasene Motoren meine , sondern leisere Grosshubigere ,langlebigere mit der Technik der Corvette die im Stadtverkehr sparsam läuft weil man Zylinder weg schaltet , dann könnte man so in vielleicht 5 – 8 Jahren sich wieder an ein Projekt trauen das die Oberklasse ärgert , aber im Moment ….. sehe ich da bei Managern , und ähnlichen die nach Aussen hin zeigen müssen was Sie sind , die Türe von Opel als nicht Standesgemäss an .

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