Einen großen Opel wird es nicht mehr geben

Gast Post von Dr. Mirko Niederrainer
Senior Automotive Advisor

Eigenartig: Spricht man mit Leuten über Opel, dann heißt es ganz oft „Die aus den Siebzigern waren cool“ – und irgendwann dann ging es wohl bergab. Auch hier ist das so – die 70er und 80er; die boten noch den Charme der großen Limousinen, der Senatoren und Omegas und irgendwann war dann damit Schluß.

Als hier gefragt wurde, welchen Opel die Leute am liebsten wieder haben würden, gewannen die Großen, siegten die, die Opel heute nicht mehr im Programm hat. Und da sind einige dabei, die damals gegen Mercedes, Audi, BMW, Saab und ähnlich die großen Tests in der Auto Motor und Sport gewonnen haben; Autos, mit den Opel sich nie verstecken musste (vielleicht ausgenommen die Qualität des frühen Omega A).

nein, das kam nie wieder - und das kommt auch nie wieder

nein, das kam nie wieder – und das kommt auch nie wieder

Auch der Omega B hat bis heute eine feste Fangemeinde – und das sind ja keine verblendeten religiösen Spinner – das sind eine Menge Menschen, die diese Autos gut finden, weil sie ihnen mit handfesten Qualitäten diese Entscheidung jeden Tag aufs neue bestätigen.

Warum gibt es dann keinen große Opel mehr?

Manch einer sagt da gerne: Hey – so ein Insignia von heute ist doch genauso große wie ein Omega B einst war. Das ist in manchen Belangen richtig, ist aber nicht der Punkt. Der Insignia ist der Nachfolger des Vectra, der der Nachfolger des Ascona war – und zu Lebzeiten des Ascona da gab es über ihm im Opel-Programm noch den Rekord, den Commodore, den Senator, phasenweise noch Kapitän, Admiral und Diplomat – vom Monza mal ganz zu schweigen.

Es gab eine Opel Oberklasse – die gibt es heute nicht mehr.

Die Mitbewerber des Insignia sind in allen belangen die C-Klasse, der Passat, der Mondeo – der Mitbewerber zur E-Klasse, dem 5er – oder gar zu einer S-Klasse, dem 7er BMW oder einem Audi A8, fehlt im Opel Programm.

Da musste Opel sich nicht schämen...

Da musste Opel sich nicht schämen…

Immer wieder geistern neue Ansätze dafür durch die Presse. „Sieht so der neue Omega aus?“ Titel schmierige Zeitungen gerne in großen Lettern oder „Ist das der neue Diplomat?“. Nein – ist er nicht.

Man muss ja mal eines ganz klar sehen: Opel ist Teil eines Weltkonzerns, eines der größten Automobilproduzenten auf diesem Planeten. Wollte Opel einen Wagen oberhalb des Insignia bauen – rein technisch könnten sie es morgen tun. Da gibt es etwa bei Holden oder Vauxhall genug im Regal, was man verwenden könnte.

Aber der Deutsche Kunde hat es nicht mehr gewollt. Zuerst sanken die Verkaufszahlen der großen V8 K/A/D Modell, dann sanken die Verkaufszahlen von Senator und später Omega – weil die Germanen sich an die irrsinnige Idee des Premium-Fahrzeuges verliebt haben – und da hat Opel irgendwie nicht mitgehalten.

Wird gerne mal als Omega Nachfolger durch die Presse gejagt - technisch richtig, aber der Markt erlaubt es einfach nicht

Wird gerne mal als Omega Nachfolger durch die Presse gejagt – technisch richtig, aber der Markt erlaubt es einfach nicht – geil aussehen tut das Ding allerdings (!)

Tatsächlich gab es bei Opel diverse Überlegungen, in diese Klasse zurückzukehren – aber das waren eher die Art Überlegungen, mal das Wasser zu testen. Opel ist längst klar, dass andere Themen Priorität haben und es darum geht, den Kern der Marke wieder aufzubauen. Und der liegt mittlerweile eher darunter – in Modellen wie Mokka, Karl und Astra oder dem in Europa sehr erfolgreichen Opel Corsa. Schon der Insignia schwächelt – was hoffentlich mit seinem Nachfolger Ende des Jahres besser wird.

Was müsste geschehen, damit es wieder einen  großen Opel gibt?

Da kann man lange drüber philosophieren – aber klar ist, dass es ein paar Determinanten braucht, damit Leute heute in einer Klasse nach Opel schauen würden, die von Mercedes, BMW und Audi dominiert ist – und das eben nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Kaum ein anderer Hersteller traut sich noch recht in diese Klasse. Einen Nachfolger von Peugeot 604, 505 oder Citroen C6 sehen wir da ebenso wenig wie einen zeitgenössischen Lancia Thema oder eben auch nur einen Ford Scorpio-Nachfolger, dessen letzte Modelle immerhin auch schon volljährig sind…

Un selbst die großen drei Premium-Marken müssen neuerlich das Umdenken lernen: Als plötzlich der Panamera in die Oberklasse polterte, gab es 4 Premium-Limousinen in der großen Klasse – mit Porsche in Phasen als Class-Leader. Coole Hightech-Attacker wie Tesla machen den drei Deutschen Traditionsmarken in manchen Ländern das Leben schwer.

Tesla lebt vom Nimbus der Technik, Porsche vom Nimbus des Schnellen, erstrebenswerten – Opel hat zurzeit nur wenig Attribute, die da mithalten.

Mit dicken Schuhen macht er was her

Mit dicken Schuhen macht er was her – als Oberklasse hat das keiner mehr akzeptiert, nicht mal mehr als gehobene Mittelklasse – zu viel Vectra, zu bürgerlich, zu wenig Image auf dem Vorstandsparkplatz – schade, das ist ein wirklich tolles Fahrzeug gewesen

Wie just hier zuletzt ausgeführt, müssen sich Opel Fahrer hin und wieder noch verspotten lassen, obwohl es besser wird. Jetzt stelle man sich mal den Manager vor, der seinen Mercedes- Audi und BMW-Kollegen am Rande der Vorstands-Sitzung sagt „Ich hab mir den neuen Opel gekauft“ – würde sich das die aktuelle Vorstands-Generation trauen? NUr, wenn Opel dafür etwas richtig besonderes bieten würde – einen 12 Zylinder, irgendwelche unfassbar lässigen Tech-Features, etwas beneidenswertes. All das bekommt Opel realistisch mit der reinen Marke momentan nicht hin – da müssen wir ehrlich sein.

Ich habe drei Autos: Einen Adam, den meine Tochter fährt, den Meriva meiner Frau und meinen 5er BMW. Wenn ich mit Kollegen spreche und sage einfach nur „Ich habe einen Opel,“ dann verwirrt die das regelrecht, weil es nicht zu einer Berufsgruppe passen mag, die als hemmungslos überbezahlt gilt (Unternehmensberatung). Da musst Du sofort nachschieben „Adam und Meriva – meine Frau und meine Tochter“ – das finden dann alle okay. Und kurz danach sagt vermutlich jemand „…damals, in den 70ern – da haben die mal richtig tolle Autos gebaut. Das neue Cabrio ist auch ganz chic, dieser…. äh…. “ „Cascada?“ „…möglich…“

Aklso, wenn ich schon keinen Manta bekommen hab... Den Cascada werde ich mir gönnen, soviel steht fest

Finden selbst jene dekorativ, die sonst keinen Opel anschauen – dann muss man ihn wohl als Vorwand für die Gattin kaufen und dann selbst fahren – ich kenne Männer, die für Autos weit größere Idiotien begangen haben 😉

Genau – der Cascada ist begehrenswert – und Opel muss begehrenswert sein, damit jemand 80.000 Euro dafür ausgibr. Und das hat noch keine Marke mal eben so geschafft. Audi gilt hier als Meister der Disziplin – und die haben gute 20 Jahre gebraucht. Die Idee der Autozeitschriften, einfach ein US-Auto mit OPel-Emblem anzubieten, wird allenfalls dazu führen, dass man Opel auslachen würde. Hinzu kommt: im irrsinnigen Konzert der GM-Marken darf Opel, respektive Vauxhall, nicht in jedem Land verkaufen, bräuchte aber die entsprechenden Länder, um auf ausreichende Stückzahlen zu kommen.

Opel: Die richtige Perspektive auf die Oberklasse

Wenn der nächste Insignia so aussieht, dann könnt ihr für mich schon mal den Konfigurator warm laufen assen...

Wenn der nächste Insignia so aussieht, dann könnt ihr für mich schon mal den Konfigurator warm laufen assen…

Machen wir uns also nichts vor: Es müsste schon eine ganze Menge passieren, damit Opel wieder einen Omega oder ähnliches baut. Selbst VW ist mit dem Phaeton gescheitert – und die scheinen sich ja sonst alles erlauben zu können in Deutschland.

Aber ist das eigentlich so schlimm für Opel? Suzuki beispielsweise ist einer der größten Autohersteller der Welt – und baut Kleinwagen, konzentriert sich also auf ein Segment und macht dort alles richtig. Fiat baut auch keine großen Autos mehr.

In anderen Worten: Wenn der böse Nachbarjunge dickere Muckis hat als Du, dann musst Du nicht jeden Samstag versuchen, ihn zu verprügeln – vielleicht kannst Du schneller laufen, jonglieren oder Gedichte schreiben – alles Sachen, die der dickarmige Depp von Nebnan nicht kann. Mc Donalds kann kein Fondue, Beethoven kein Heavy Metal.

Opel muss nicht Oberklasse können. Gute Autos bauen reicht vollkommen aus. Und wenn der nächste Insignia wieder einen Kofferraum hat – dann werde ich mir einen kaufen.



9 Gedanken zu „Einen großen Opel wird es nicht mehr geben

  1. Um noch einmal den Vergleich von Omega und Insignia aufzugreifen:
    Warum Viele dem Omega und erstrecht den Vorgängern „nachtrauern“ ist folgender Hauptgrund. Wenn man mal einen Omega-B-Caravan zum Großeinkauf genutzt hat und dann den Insignia Sportstourer für die gleiche Menge nutzen möchte, der wird sehr schnell die riesigen Grenzen erkennen. Und daran ist bestimmt nicht einmal das Umdenken von Heck- auf Frontantrieb Schuld.
    Deswegen verlangt halt die Opel-Fangruppe nach einem repräsentativen Passat- , 5er-BMW oder E-Klasse-Kontrahenten. Immerhin handelt es sich hierbei maximal um die gehobene Mittelklasse.

  2. @Schallenberg:
    So isses!
    VW-Geraffels kommt mir nicht in die Garage und habe keinen Bock deswegen zu diskutieren, ist mein Standpunkt, fertig!
    Habe auch immer wieder die Diskussion, wenn ich zu meinem FOH fahre und dort Ersatzteile kaufe, die ich im freien Handel nicht bekomme. Der Verkäufer nervt mich jedesmal, wann ich mir endlich einen Insignia Caravan kaufe. Ich nenne das Ding absichtlich Caravan, denn wenn ich Sport haben will, fahre ich mit einem meiner Opel Coupé´s.
    Dem Verkäufer antworte ich dann jedesmal, daß ich mir erst einen Insignia Caravan kaufe, wenn ich da genauso viele Wasserkisten bei umgelegter Rücksitzbank reinbekommen, wie in meinen Omega-B2 Caravan, nämlich 18 bis 20 Stück, je nachdem von welchem Mineralbrunnen die sind.

  3. Warum geht der Holden Commodore/ Chevrolet Lunima/ Pontiac G8 GT nicht als großer Opel???
    Ich hab mir einen Pontiac G8 GT aus USA Importiert und bin seit fünfeinhalb Jahren und 100000km restlos begeistert!

  4. Ich fahr Omega B Caravan und das ist einfach ein Lademeister wie es leider keinen mehr bei Opel geben wird (oder doch).
    Abropos GM-Weltkonzern… da gielt es so viele Teile im Konzernregal, dass sich eigentlich auch kostengünstig was mit Premium und V8 auf die Beine stellen lassen müsste, was ja dann auch geringere Stückzahlen erfordern würde um Wirtschaftlich zu sein.
    Aber GM wird es vermeiden sich selbst Konkurrenz zu machen.
    Schade…

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