Kadett C Coupé – tolle Zeiten in einer Parallelwelt?

Meine C-Coupe Zeit war gar nicht mal so lang – aber die meiner Umgebung schien Jahrzehnte zu dauern…

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre war der C-Kadett eigentlich das viel schlimmere Tuning Objekt als der Manta – zumindest, wenn Du in einem JWD-Dorf groß geworden bist. Mein Kaff hatte etwas über 20.000 Einwohner und eine kleine Altstadt, die sogar ein paar Kneipen beherbergte. Wobei mein Kaff tatsächlich noch mal ein halbes Kaff entfernt lag… Und der Rest waren Landstrasse und die A45, wenn man mal einen mutigen Ausflug in mondäne Metropolen wie Siegen wagen wollte…

Small Town.

Nach meinem ersten B-Kadett hatte ich ein B-Kadett als Coupe erworben – was eine lange und andere Geschichte ist. Und dann kam in meiner Lehre das unvermeidbare: der Kadett C – allerdings zunächst mal nicht als das Coupé, mit dem man am Dorfplatz glänzen konnte, sondern als Kombi! Der war viel cooler. Klar – erst mal Federteller drehen und so – aber das konnte es natürlich nicht sein. Ich veredelte den Wagen zu einer Dorflegende, die später Alex Strauss aus dem Nebendorf an einem massiven Brückenpfeiler zerlegte. Dämlicher Trottel.

Nach diesem Wagen konnte es eigentlich nur eins geben: Ein C-Coupe musste her. Wenn ich heute so drüber nachdenke, ist mir eigentlich nicht mehr so ganz klar,warum. Einen richtig logischen Grund gab es nicht. Der C-Kombi war perfekt gewesen, vielleicht hat er mich deshalb am Ende schier gelangweilt und ich brauchte eine neue Bastel-Herausforderung oder so.

Ausserdem hatten alle das Coupé – ich fand den cool. Das war eine eigene ganz eingeschworene Clique mit Fahrzeugen, an denen das kollektivste Merkmal war, dass nichts mehr original war.

Einer der Einflussfaktoren war sicherlich auch dieser Virus in meinem Schädel gewesen – ganz so wie in „Inception“ – wenn du diesen Gedanken erst einmal hast, dann muss der manchmal ausgeführt werden, sonst wächst er unermesslich…
Ich hatte nämlich aufgeschnappt, dass der 2.5er Motor aus dem Commodore in den C-Kadett passen sollte- Mit Mechaniker Augen betrachtet ist der Motorraum des Kadett C praktisch leer – das wollte mir einigermaßen einleuchten – und so eine Maschine lag bei uns auf dem Lager. Als ich ein passendes Coupé gefunden hatte, stellte sich leider heraus, dass diese Info eindeutig eine Fehlinformation war – aber immerhin: ich hab 2 Meister gute 2 Stunden beschäftigt, die sich sicher waren, dass das praktisch ohne weiteren Aufwand klappen sollte.

Hm…

Tuning und C Caravan waren eine recht späte Erscheinung. Meiner blieb optisch lieber unauffällig. In Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden war das Caravan-Tuning Kult – aber ich musste ja ein Coupé haben – unbedingt

Aber die Idee von mehr Hubraum war so eindeutig (Inception) in meinem Schädel… Da tat sich schließlich ein 2.2er Vierzylinder aus einem Monza auf, der zudem wenig gelaufen hatte. Wir hatten den Wagen Schrott geschrieben, nachdem er von einem Milchlaster gerammt worden war und der Motor wechselte „günstig“ in meine Hände – ich gewann ihn beim Würfeln in der Mittagspause 🙂

irgendwie genetisch… 😉

Im Originalzustand erreicht dieser Motor eine lächerliche Höchstleistung von 115PS bereits bei unsinnig niedrigen 4800 Umdrehungen – es war also klar, dass da noch Luft war…

Stimmt auch, war so 😉 Erster Evolutionsschritt 130PS, zweiter nach kurzer Zeit 160. 160PS klingen für Kids von heute vielleicht nicht besonders shocking – in einem Kadett C Coupé pusten dir 160PS die inneren Organe raus! So ein Wagen wiegt weniger als eine Tonne! Um heute ein vergleichbares Leistungsgewicht zu erreichen, musst Du um die 250 – 270PS in einen Astra packen. (!) Soviel packt Opel vielleicht in einen Insignia.

In solchen Zuständen gab es sie damals gar nicht. Erst mal die Stoßstangen ab, dann tiefer legen, dann so hart, dass sie hoppeln. Und ’ne 1000W Anlagen von D&W

Und ich muss leider sagen: Sie wissen eventuell, warum… Man dachte da gar nicht so recht drüber nach in dem Alter. Auch nicht an Themen wie „bin ich jetzt noch versichert?“

Tatsächlich nämlich gab es Samstags Nachmittags irgendwann noch eine weitere Evolutionsstufe, eine letzte Evolutionsstufe sozusagen…. B54 in Richtung B229… Wer die Gegend kennt… Tja – die Haus- und Hofstrecke… Du hast dieses Grinsen im Gesicht und bist ziemlich sicher, dass Du bei etwa 185PS sein musst. Whow. Man muss sich allein vorstellen, dass das so rund 85PS pro Liter sind! Klar – heute schaffen das Diesel – aber damals? Ein Golf GTI hatte eine Literleistung von 69PS in seiner besten Zeit in den 70ern – das galt als Durchbruch. Ich war auf dem Weg zum Leistungsprüfstand, ich wollte es wissen. 185PS in einem C-Kadett, damit warst Du… Damit warst Du – – – schneller im Feld….

Exemplare wie dieses sind aber einfach auch zuuu sexy – finde ich bis heute

Als die Feuerwehrleute mich bewusstlos auf dem Acker fanden, lag ich so weit weg vom Wagen, dass sie bereits davon ausgegangen waren, dass der Fahrer weg gelaufen sei oder so. Der Wagen brannte, obwohl ich immer dachte, das passiere nur in amerikanischen Filmen. Es ist den Rettungskräften nie gelungen, den Unfallhergang vollständig zu rekonstruieren. Mich hatte es scheinbar herausgeschleudert – vermutlich durch die Heckscheibe, aber ganz klar war das nicht.Ich lag an einer Stelle, die das nicht zuließ, war aber klar bewusstlos. Die wahrscheinlichste Theorie besagte am Ende, dass ich wahrscheinlich noch in irgend einer Weise zur Fortbewegung fähig gewesen sein musste – magisch jedoch: Ich hatte keine Spuren auf dem verhältnismäßig nassen hohen Gras hinterlassen. Hinzu kam: Dort, wo ich die Strasse verlassen hatte, gab es Bremsspuren, die sich keiner recht erklären konnte. Am Ende suchte man ein Fahrzeug, das mir eventuell entgegen gekommen war. Ich habe keine Erinnerung – werden an den Unfall noch an die Tage danach. Auf Feuerwehrfesten ist der Unfall heute noch ein Thema, hab ich mir sagen lassen.

Ich habe 2 Tage lang teilnahmslos im Bett verbracht, bevor ich am Dritten aufwachte, einen schlimmen Alptraum hatte, aber wieder „normal“ war. Ich erhielt 4 Punkte in Flensburg für „unerlaubtes Verlassen der Fahrbahn“ – nur ein Deutscher Jurist kann einen solchen Passus prägen… Ich muss froh sein, dass ich nicht weit mehr Stress bekam – vielleicht so eine Dorf-Sache.

Fakt ist aber: Es war ein Wunder, dass ich das überlebt hab – und was für eins. Ich trug diverse Schürfwunden davon, hatte eine unfassbare Menge von blauen Flecken – aber effektiv ist mir nichts passiert. Dieses Zeichen habe ich verstanden und es hat meinen Fahrstil ganz entschieden geprägt fortan.

Natürlich fahre ich einen Insignia OPC heute (falls mir den nicht gerade jemand klaut) – aber sicherlich bleibe ich bei dem weit unter seinen Möglichkeiten. Ich fahre viel Auto und bin seit diesem Tag weitgehend schadenfrei unterwegs. „Es war mir eine Lehre“ beschreibt es wohl nur unzureichend.

Was ich noch wie heute weiss, ist, dass es damals eine Menge Leute gab, die das als „Typisch Opelfahrer“ eingestuft haben – das hat mich massiv geärgert. So massiv, dass ich damals drüber nachgedacht habe, mir etwas anderes zu kaufen. Bescheuert.

Mangels Geld wurde die Entscheidung verhältnismäßig leicht. Ich erbte einen Opel innerhalb der Familie – und auf eine schräge Weise war der in dem Moment genau das richtige für mich: Ein ganz frühen Opel Ascona C – Behördenversion, 100PS, Automatik. In Beige.

Da muss man Nerven haben.




3 Gedanken zu „Kadett C Coupé – tolle Zeiten in einer Parallelwelt?

  1. Schöne Geschichte (bis auf dem Unfall)
    Genau vor soetwas hat meine Oma immer gewarnt , keine großen Autos für Fahranfänger da rast man(n) sich nur mit tod. Aber eine Frage habe ich noch: Wie konntest du dir das ganze Autogewechsel und Tunen leisten? Wahr das alles damals billiger? Also ich hatte mit 18 nur Geld fuer einen 20jahre alten Astra F(75 ps) und der Nachfolger ist ein Agila A (der fährt immer noch)

    1. Hm… mit heutigen Tuning-Preisen kennen wir uns nicht meghr so aus – nehme mal an, da hat sich nicht viel geändert. Vieles war möglich durch einen Job bei Opel und viel selber machen. Damals – und das geht heute nicht mehr – konnte man auch sehr viel handwerklich tunen. Verdichtung erhöhen, Bedüsung ändern… Mit G-Kat ist das schon nicht mehr so.

      1. Das man heute vieles selber machen muss ist ja klar weil ein Normalo die Werkstadtpreise nicht bezahlen kann. Naja wir zuhause haben eigl. immer nur „Optiktuning“ betrieben die im legalen und eintragefreien Rahmen waren.(Selbst das geht ins Geld) unser Ascona C1in Mokkabraun währe schon lange fertig wenn man Zeit und Geld im Überfluss hätte.(hust sone Neulackierung ist üble Sache)
        Leistungtuning da hat uns immer die Vernuft eingeholt und dann haben wir es gelassen.

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