Lehrjahre bei Opel: Die wahren Herrenjahre :-)

Wenn Du zu Beginn der 90er Jahre eine Lehre bei Opel gemacht hast, dann brachtest Du im ersten Lehrjahr ein paar Hundert nach Hause (D-Mark) und am Ende ein bisserl was über Tausend. Und wenn Du Pech hattest, musstest Du davon noch eine Wohnung finanzieren oder bei Deinen Eltern zuhause was abgeben.

Ich musste nichts von alledem 🙂 Im Gegenteil – mir gehörten volle 2 Zimmer in der oberen Etage – das waren Zeiten…

Der Kadett C war als Caravan unzweifelhaft zunächst einmal bieder...

Der Kadett C war als Caravan unzweifelhaft zunächst einmal bieder…

Meine Eltern akzeptierten freudig mein häusliches Schmarotzertum und fanden es völlig in Ordnung, mich zu beherbergen. Somit war ich schon mal fundamental reich, gemessen an meinem vorherigen Schülereinkommen. Da ließ es sich ganz gut akzeptieren, dass all jene Freunde, die studierten, vielleicht zunächst mal das cooler Leben haben mochten. Zumal bei dem Einkommen ja noch lange nicht Schluß war. All Deine studentischen Kumpels fanden einen guten Deal: Sie ließen Dich die Bremsen an ihrem Corsa A machen, was stets billiger war als beim nächsten Opel-Händler – und die halbierten Stundensätze flossen nahtlos und unversteuert in meine Tasche. (Äh… hab ich mir erzählen lassen…)

Und als ob das nicht genug gewesen wäre, hattest Du alle Köstlichkeit der Tropen zum Greifen nah: Ersatzteile von Opel zu Einkaufspreisen und jede Menge Leute, die dir gerne erklären, wie man sie anbringt, weil Du ja einerseits etwas lernen musst und weil Du ja andererseits kein Geld hast…

So: Klar jetzt, warum die Jungs alle so enorm coole Autos hatten und an denen noch was verdienten? 😉

Aber ganz klar: die ganzen guten Coupés waren zu der zeit schon längst unter's Messer geraten - und mal nicht vergessen: Wir mussten nach solchen Autos in Kleinanzeigenteilen suchen - nicht im Internet...

Aber ganz klar: die ganzen guten Coupés waren zu der zeit schon längst unter’s Messer geraten – und mal nicht vergessen: Wir mussten nach solchen Autos in Kleinanzeigenteilen suchen – nicht im Internet…

Und ganz ernsthaft: Es war ein super Training. Du konntest eine Menge Feinschliff lernen an den Wagen, wenn Du zum Beispiel den Plan hattest, aus Deinem Wagen weit mehr raus zu pressen als die bescheidenen 60PS oder so….

Nach meinem ersten B-Kadett hatte ich ein B-Kadett als Coupe erworben – was eine lange und andere Geschichte ist. Und dann kam in meiner Lehre das unvermeidbare: der Kadett C – allerdings zunächst mal nicht als Coupé, sondern als Kombi! Der war viel cooler. Klar – erst mal Federteller drehen und so – aber das konnte es natürlich nicht sein. Woran man sich heute kaum noch erinnert: Wie einfach Tuning damals eigentlich war und wie effizient – sowohl im Kosten-Nutzen Verhältnis als auch im Verhältnis von eingesetztem Material zum Effekt. Mein Kadett C Caravan hatte den dicken 1600er – beste Voraussetzungen – und zudem enorm selten.

1600 Kubik waren damals schon was: 75PS bei lächerlichen 5200 Umdrehungen – und satte 113 Newtonmeter Drehmoment – eine ausgezeichnete Basis. Wenn Du da diskret rangehst….

die lächerliche Verdichtung von 8,8 bietet da doch Raum, oder? Also erst mal vom Meister zeigen lassen, wie man einen Zylinderkopf vernünftig plan schleifst – das musst Du eh lernen. Und der Meister ist ja auch nicht blöd – und nett genug, um die an einem Samstag Vormittag das alles mal zu zeigen – und Dir zu zeigen, was Du mit Sandstrahlen alles in den Kanälen erreichen kannst…. Und plötzlich ^reden wir schon von 82 PS- Und da hat noch einen diesen Vergaser vom Rekord rumliegen. „Ach quatsch – den musst Du nicht bezahlen…!“ 88PS – 96 schließlich 3 Wochen später, nachdem die andere Nockenwelle drauf ist – alles Serienteile – nix teures Tuning oder so…

Tuning und C Caravan waren eine recht späte Erscheinung. Meiner blieb optisch lieber unauffällig. In Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden war das Caravan Tuning Kult - und das Coupe stets nur zweite Wahl

Tuning und C Caravan waren eine recht späte Erscheinung. Meiner blieb optisch lieber unauffällig. In Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden war das Caravan Tuning Kult – und das Coupe stets nur zweite Wahl

Und plötzlich bist Du schon ganz nah an den GT/E Kadetten mit ihren 110/115PS – nur an Endgeschwindigkeit fehlt es… Aber haben wir da nicht noch hinten den Totalschaden stehen? Der hat die lange Achse. Wenn Du die selbst ausbaust – musst Du ja eh lernen – dann kannst du die so haben… Alles klar auf der Andrea Doria….  Federn absägen ist auch gar nicht so schwer, wie es aussieht, wenn Du die richtigen Werkzeuge hast… und eben nur ein ganz klein bisserl – nicht so, wie das die ganzen Verrückten tun – du willst ja unerkannt bleiben, das ist doch viel lustiger. Denn dann kannst Du plötzlich aus dem Nichts auftauchen und aus dem Off mit Deinem Caravan kommen und einen GTI verpusten….

Ach – ich höre auf – die Zeiten waren einfach anders – nicht nur, weil ich jünger war. Wenn Du dann noch anfängt, wein wenig Gewicht aus dem Wagen zu entfernen… Ach – ich wollte ja aufhören.

Aber eins ist klar: Als ich den Wagen schließlich verkaufte, stand die Szene Schlange – da sah er aus wie ein Transport-Nutzfahrzeug und fuhr dicke über 210, ohne, dass es jemand gemerkt hätte. Und der TÜV kommt ins Haus, ohne da jetzt zu detailliert werden zu wollen.

Und dann kam das nächste Projekt – aber davon soll eine andere Geschichte erzählen 🙂


4 Gedanken zu „Lehrjahre bei Opel: Die wahren Herrenjahre :-)

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