Mit Opel auf der IAA – hinter den Kulissen im Gestern

Opel auf der IAA - von jeher ein Highlight für Fans

Opel auf der IAA – von jeher ein Highlight für Fans

Schon mal jemand als Aussteller auf der IAA gewesen? Ich schon – und zwar mehrfach. Und das gibt der Messe, die ja dieses Jahr auch wieder stattfindet, ein gänzlich anderes Gesicht und Du beginnst, Dinge anders zu würdigen – auch die Einpeitscher, von denen ich zuvor gar nichts gewusst hatte.

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….dem ist designerisch wirklich nicht so recht zu helfen – man muss Ost- oder Südeuropäer sein, um diesen Fahrzeuggattung zu verstehen

Die sind so etwas wie das letzte Fingerglied des Rüsselsheimer Zentralmarketings und sagen Dir, wie Du als Mensch auf der IAA zu ticken hast in genau der Weise, wie Formate für Banner und Printwerbung oder die Länge für Radio-Spots vorgeschrieben und eingekauft werden. Während rund um Dich herum kleine Asiaten mit Notizblöcken unter Autos kriechen, so zahlreich, dass Du sie kaum verscheuchen kannst, erklären Dir de Einpeitscher den Opelsprech. Das ist auf seine Weise sehr unterhaltsam und hat Züge des Neusprechdiktionärs aus George Orwells 1984 – denn zu jeder IAA gibt es Wörter, die nicht gesagt werden dürfen, Themen, die Du mit den Besuchern auf der Messe besser nicht diskutierst und Antworten, die Du wie ein Roboter geben musst.

Bei meiner ersten IAA 1995 war ich über eine Werbeagentur an den Job gekommen, als ich mich noch im Studium befand. Gefühlt wichtigstes Neusprechhighlight der IAA: Es gibt kein Stufenheckmodell mehr – auf gar keinen Fall. Stufenheck klingt nach neuesten Erkenntnissen nämlich spießig und bieder – das Stufenheckmodell heißt jetzt „Limousine“. Beim Omea glaube ich das ja irgendwie noch, beim Vectra auch – aber den Stufenheck-Astra als Limousine zu bezeichnen, mag keinem so recht über die Lippen gehen.

so kann man ihn schon irgendwie herzeigen, den Astra als "Limousine"

so kann man ihn schon irgendwie herzeigen, den Astra als „Limousine“

In erster Linie, weil der wirklich scheußlich daherkommt und so sehr nach Limousine dreinschaut wie eine Draisine ein Zug ist, oder? Und genau so kommt es dann auch: jedes Mal, wenn Du in blumigem Marketingjargon, zielgruppenerprobt einem älteren Target Group Customer „Astra Limousine“ sagst, fragt der dich „Ist das der mit dem Golf-Heck oder der mit dem Stufenheck?“ „Ähm… der mit dem Stufenheck,“ das letzte Wort murmelst Du, damit es der Einpeitscher nicht hört.

Auf der Messe lerne ich wahnsinnig viel über Opel und über Opel-Kunden und auch über Opel-Fans und komme immer mehr zu dem Schluß, dass ich das will: ich will für Opel Werbung machen. (Na gut – ich hab auch gehört, dass die da im Marketing ganz gut zahlen…).

Zunächst mal hab ich nach meiner Ausbildung bei Opel ein Studium angefangen, nachdem ich dort mit einem gewissen verbalen Talent aufgefallen bin. Zwei Marketinglehrgänge an der Abendschule und der Traum vom KFZ-Meister ist vergessen: Ich studiere Germanistik, Psychologie und BWL im Nebenfach – was für eine Kombination…. Aber angeblich der direkte Weg ins Marketing. Hin und wieder helfe ich im Verkauf bei meinem alten Autohaus aus. Dann verkaufe ich auch in einem Autohaus in der Nähe meiner Uni – so hab ich immer bemerkenswert viel Geld und komme billig an Autos.

Der Opel Vectra B war in gewisser Weise die Wiedergeburt von Opel. Die Leute liebten ihn. Er war repräsentativer und schließlich und endlich kam er sogar noch als Caravan

Der Opel Vectra B war in gewisser Weise die Wiedergeburt von Opel. Die Leute liebten ihn. Er war repräsentativer und schließlich und endlich kam er sogar noch als Caravan

Und ich komme über einen Aushang der Werbeagentur an der Uni an den IAA Job, um dort Opel Kunden zu begegnen – und solche, die wir zu welchen machen sollen. Für die meisten nur ein Job – für mich der Start einer möglichen Lebensaufgabe (später soll sich zeigen, dass da noch ganz andere Aufgaben auf mich warten. Ich verbringe jede freie Minute mit Kunden und mit den Opel-Leuten am Stand. Ich sauge das auf. Und die Parties verbringe ich nicht mit den Messe Miezen (das ist nicht mein sexistischer Jargon, das ist Messe-Fachdeutsch ;->), sondern hänge mit den Opel-Leuten rum. Nach einer Zeit finden die mich cool und die Art, wie ich über Opel denke und mit den Besuchern umgehen kann. Denn da kommen auch diverse kritische Besucher an den Stand. Die Art, die ich zum Teil ja noch aus meiner Autohaus-Zeit kenne. Leute, die vom Kadett E enttäuscht sind. Andere, die gerne wieder einen gescheiten Senator hätten und denen der Omega B nicht repräsentativ genug ist.

vectrabUnd die Leute lieben den Vectra B – der ist repräsentativ, sieht nach etwas aus, stellt etwas dar, während das Vorgängermodell beliebig und charakterlos war. Vor allem kommen die Leute, seit sich herumgesprochen hat, dass es zu dem endlich einen Kombi geben wird. Viele Leute wollen den sehen, aber er kommt erst ein Jahr später. Irgendwann komme ich auf die Idee, Adressen von Leuten einzusammeln, die den Vectra B als Kombi haben wollen und verspreche ihnen, sie anzurufen, wenn es soweit ist. Das ist der Moment, wo die Opel-Typen anfangen, mich zu lieben. Die Aktion wird zur Legende. Wir sammeln säckeweise Adressen von potentiellen Kunden ein – für ein Auto, dass es noch gar nicht gibt. Kann man mehr verlangen?

Das bringt mir meine erste Einladung nach Rüsselsheim ein und später einen coolen Job – aber das ist eine andere Geschichte.

Viel wichtiger war die Erfahrung, zu sehen, wie sehr Opel eine Community hat – ein Kern von Leuten, die Opel einfach einem VW vorziehen. Leute, die auf den Kombi des Vectra warten, weil es ihn einfach noch nicht gibt – obwohl sie einen Passat oder einen Mondeo kaufen könnten. Ich sehe keine andere Marke, bei der das der Fall ist – ausser vielleicht bei echten Exoten wie Subaru – und irgendwie hoffe ich, dass das so bleibt und vielleicht sogar, dass ich ein wenig dazu beitragen kann 🙂

2 Gedanken zu „Mit Opel auf der IAA – hinter den Kulissen im Gestern

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