Opel – jetzt mal in der Blindverkostung :-)

Angefangen hat das ganze mit dem Opel Karl. Im Dialog mit einem Kunden aus der Automotive-Branche überlegten wir uns ein neues Testverfahren und landen in der Diskussion spät abends bei einem außerhalb gelegenen Griechen zu dem Schluß, dass man Autos ja leider nicht blind verkosten kann, auch wenn wir das in Teilen in Car Clinics natürlich immer wieder versuchen.

Aber schließlich erwächst daraus eine ganz andere Idee: Beifahrer könnten sehr wohl Autos blind verkosten – warum versuchen wir das nicht mal – das sind am Ende 3 Tage Aufwand für 2 Leute und eventuell gut investiertes Geld.

Opel Karl

Der Ursprung, der die Blindverkostungs-Methode ins Spiel brachte – ungewollt eigentlich

Der Karl ist für unseren Auftraggeber eine Referenzmodell, das er besser verstehen möchte, der Corsa auch. Und schließlich wächst die Idee und wir laden noch ein paar Leute mehr ein und stellen noch ein paar Autos mehr zusammen – und erfahren interessante Dinge.

Opel Blind-Verkostung – das Setting

Wir laden diverse Käufer der potentiellen Zielgruppen ein und bitten Sie, jeweils mit verbundenen Augen, in mehren Fahrzeugen der jeweiligen Fahrzeugklasse mit zu fahren – auf dem Beifahrersitz und bei den größeren Wagen auch auf der Rückbank. Das ganze wir filmisch festgehalten und ausgewertet nach einem gegliederten Verfahren – und natürlich werden die Reihenfolgen der Fahrzeuge gewechselt, um hier sauber zu sein – manche fahren also zuerst Fahrzeug A, dann B, dann C – andere fahren C, dann A, dann B und so weiter.

In der Insignia Klasse gibt es ein Referenz-Fahrzeug, das nicht in die Klasse gehört – ein Mercedes W211, Baujahr 1998, um einmal herauszufinden, wie Kunden in der Blindverkostung eigentlich den Fortschritt bewerten – die Kunden kriegen das nicht gesagt, sondern vermuten, in einem aktuellen Mittelklassewagen zu sitzen.

Der Pepsi-Test – klare Ergebnisse

Alles verraten dürfen wir hier natürlich nicht, aber die Ergebnisse, die hier zusammenkommen, sind schon sehr erstaunlich. Der Opel Karl wird unter insgesamt 4 weiteren Mitbewerbern als das zweitbeste Auto wahrgenommen (Der Wagen unseres Auftraggebers, zurzeit noch nicht auf dem Markt, gewinnt). Die Kunden empfinden ihn insgesamt als leise, ruhig und fühlen sich gut aufgehoben. Das ist wichtig, da man Fahrzeugbewegungen mit verbundenen Augen als viel krasser und bedrohlicher empfindet als in der Realität, wenn man sieht, was passiert und der Körper sich darauf einstellen kann. Eine unerwartete Vollbremsung mit verbundenen Augen oder ein spontanes Ausweichmanöver erzeugt bei den meisten Probanden Angstzustände, das muss man wissen.

Wichtige Tradition: Testfahrten - aber hier geht es mal nicht um den Fahrer

Wichtige Tradition: Testfahrten – aber hier geht es mal nicht um den Fahrer

Aber erst mal ein solides Ergebnis für den Karl.

In der Corsa Klasse hat unser Auftraggeber einen Wagen, der schon seit ein paar tagen auf dem Markt ist – und hier sieht tatsächlich der Corsa – und zwar haushoch mit satten 861 Punkten – der nächste dieser Klasse hat 702, der darunter 689, also durchaus nahe beieinander – nur der Opel Corsa schafft es tatsächlich, sich hier signifikant abzusetzen. Alle Blind-Fahrer stufen ihn als ein Auto ein, dass sich eine Klasse größer anfühlt, vor allem in der Akustik – und hier ist vor allem der 95PS Diesel das Maß der Dinge, der beispielsweise den marktführenden Diesel weit weit hinter sich lässt.

In der #Astra-Klasse ist das Rennen dicht, sehr dicht – aber eben nicht ganz fair: Der Opel ist das neueste Auto der Klasse und gewinnt am Ende, aber wie gesagt: Knapp. Wer aber glaubt, dass die Marktführer hier ganz selbstverständlich auf Platz 2 kommen, sieht sich getäuscht 😉

In der #Insignia-Klasse (hier mit Benzin-Motorisierung) schneidet der Insignia vorne gut ab – hinten ist er zu knapp geschnitten und zu tief – hier siegen teurere Fahrzeuge, aber prinzipiell aufgrund des besseren hinteren Raums, in dem der Insignia tatsächlich schwächer ist als manch einer in dieser Klasse – den Kofferraum geben wir hier nicht in die Blindverkostung 😉

Sehr spannend aus fachlicher Sicht: der Mercedes W211 wird in dieser Klasse bei 6 Fahrzeugen vorletzter – offensichtlich ist die Mittelklasse 2016 einfach gefühlt besser, als es die gehobene Mittelklasse vor 18 Jahren war – irgendwie cool.

Opel ungefiltert – was bedeutet das?

genau... Was ist der letzte Opel, den Du gefahren bist?

genau… Was ist der letzte Opel, den Du gefahren bist?

Obwohl Opel nicht das Ziel der Erkenntnis war: alle Teilnehmer in diesem Test erkennen, dass Opel überproportional gut abschneidet – wie auch schon bei diversen Qualitäts-untersuchungen der letzten Jahre. Und das schockt diverse Teilnehmer – aber immer auch nur im ersten Moment. Sowohl die fachlich versierten Teilnehmer als auch die Probanden sind zunächst verwirrt, erklären dann aber, dass Opel ja eigentlich tatsächlich ganz coole Autos baue.

Und früher seien die ja eigentlich auch immer toll gewesen… Kennen wir das nicht? 😉

Umparken im Kopf.

Umparken im Kopf dauert.

Aber es ist schon interessant, was passiert, wenn die Leute ohne eine Vorprägung durch die Marke und was die Autobild mal drüber geschrieben hat, ins Rennen gehen. Das ist der Opel, den wir wollen: Einer, der sich langsam durch Qualität in die Köpfe bohrt 😉

2 Gedanken zu „Opel – jetzt mal in der Blindverkostung :-)

  1. Idealerweise sollten solche Tests auch von führenden Autojournalisten durchgeführt werden. Ich mag es einfach nicht glauben, dass der Konzern aus der ehemals für britische Bomber unerreichbaren Mitte Deutschlands, egal in welcher Fahrzeugklasse, egal bei welchem Fahrzeug, immer das beste Auto bauen soll. Es gibt durchaus Fahrzeugklassen, in denen das, gerade mit dem Blick auf Opel, durchaus realistisch scheint. Vectra B vs. Passat, Vectra C vs. Passat, Insignia vs. Passat > hier scheint der Passat optisch/haptisch immer eine halbe Klasse hochwertiger zu sein… Aber gerade im Corsa und Astra Bereich scheint mir der angeblich so ultimative Vorsprung des größten deutschen Autobauers eher von subjektiver Einschätzung zu sein. Hier wäre deutlich mehr Objektivität m.M.n. dringend nötig und würde Testergebnisse sicher anders aussehen lassen. Andererseits ist vielleicht genau das nicht möglich… Wenn man die Akzeptanz sieht, mit der manipulierte Abgastests durch den Konzern gewunken werden, dann ist vielleicht das „Schmieren“ von Journalisten nicht mal mehr ein Kavaliersdelikt… Wer weiß…

  2. Ich denke eher, dass auch ein „unbewusstes Schmieren“ der gängigen Motorpresse etc. stattgefunden hat. Da wird sich (gern) krampfhaft an vergangenen „deutschen Werten“ festgehalten.

    Wenn die deutsche Industrie in den vergangenen Jahren so ziemlich jeden vernünftigen Zukunftstrend verschlafen bzw. sich aus den Händen gleiten lassen hat, dann nimmt man doch den Strohhalm der Marktführerschaft Deutsche Autoindustrie mitsamt der gefühlten 99% abhängigen dt. Arbeitsplätzen und 100% Bruttosozialproduktanteil gern als in Stahl gemeißelt an.

    Auch wenn das alles nur noch ein vererbtes Märchen ist und Mitbewerber etliche Sachen besser können (und wollen).

    Opel und Ford haben den Hauptmakel nicht 100% deutsch zu sein. Im Ausland liegende Fertigungsstätten, Fremdanteile oder gar Zulieferer aus Billiglohnländern sind an den Stammtischen tabu. Klappt bei Apple z.B. auch ganz gut.

    Ich glaube ja, dass heutzutage die Vermarktung der Marke (was ein Wortspiel!) viel wichtiger ist als der eigentliche Wert (bzw. die Wertigkeit). In Zeiten von steigenden Flottenzulassungen und Leasing für Privatkunden ist die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit einer Marke jenseits von 5 Jahren Laufzeit eher unwichtig. Da rückt eher die jeweils moderne Optik inkl. auffälliger Gimmicks in den Vordergrund – insbesondere wenn ich mir teilweise die Materialien und Verarbeitung der Innenräume bei den „Premium-Marken“ ansehe…

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