Opel könnte viel mehr Autos verkaufen – müssen sie aber wollen…

Gast-Post von Andreas Bleimerer,
Automotive Consultant

Als Kind hatte ich alle Anlagen, ein treuer Opel-Kunde zu werden: Mein Vater fuhr Ascona, später sogar Omega A. Als ich 1993 meinen Führerschein bekam, hatte ich einen E-Kadett, dann ein Astra F. Im Gegensatz zu den Autos meines Vaters waren meine beiden Opel der letzte Mist, allen voran der Kadett E „Frisco“ – der war so schlecht, dass mir der Opel Händler nach gut 9 Monaten den Astra anbot – zu einem unverschämt guten Tauschpreis – sonst hätte ich damals vielleicht gar keinen zweiten Opel gehabt. Mein Vater schwenkte nach dem zweiten Omega auf Mercedes um, wie viele damals. Aber irgendwie mochte ich die Marke.

Nachdem ich sehr früh schon Dienstwagen hatte, schwenkte ich auf BMW und Audi, abwechselnd. Erst vor rund 3 oder 4 Jahren fiel mir die Brand wieder auf und meine Tochter verliebte sich schließlich in den Opel Adam. Also entschied ich im vergangenen Jahr, mich nach einem umzusehen.

Opel schaltet einen eigene Micro-Site zum Thema Leasing - nur kann ich dort nix konfigurieren. Lebt nicht gerade der Adam vom Konfigurieren...?

Opel schaltet einen eigene Micro-Site zum Thema Leasing – nur kann ich dort nix konfigurieren. Lebt nicht gerade der Adam vom Konfigurieren…?

Das war ein reichlich erstaunlicher Prozess für mich. Ich wollte einen Opel Adam leasen das kann ja so schwer nicht sein. Da ich beruflich bis dahin Sixt Cars geleast hatte, schaute ich da vorbei, konfigurierte den Wagen mit dem schlanken Konfiguratior und erhielt einen schlanken Leasing-Preis mit meinen Eckdaten: 188€ monatlich.

Okay, nicht übel. Da ich einen Opel Händler um die Ecke habe (Ich kann beinah drauf schauen, keine 300 Meter), fuhr ich 2 Tage später, Freitag Mittag bei diesem Opel Händler kurz vor den Laden, um mal zu fragen, was es dort kosten mochte – voll des besten Willens, meinen lokalen Händler zu unterstützen und sogar ein paar Euro mehr zu zahlen – das macht ja Sinn, wenn man den Händler vor Ort auch in Zukunft noch haben möchte, oder?

Sixt verrät Dir den Leasingpreis mit ganz wenigen Klicks - un unterbietet Opel dabei um Längen

Sixt verrät Dir den Leasingpreis mit ganz wenigen Klicks – un unterbietet Opel dabei um Längen

Okay: Erstaunliche Erfahrung – Du stehst eine Zeit lang herum, niemand kümmert sich um Dich. Dann stehst Du noch eine zeit rum, schließlich kommt eine Junge Frau zu Dir rüber und fragt Dich, was Du wohl möchtest. Mit einem Verkäufer sprechen? Nein – da sei grad keiner frei… Ende der Unterhaltung. Ich werde nicht gefragt, ob ich später noch einmal kommen möchte, man vielleicht meine Adresse aufnehmen soll, damit sich jemand bei mir melden kann – es gäbe ja durchaus Möglichkeiten. Ich meine: Ich will 20.000€ da lassen – um die 4.000 davon könnten da ja den Arbeitsplatz des Verkäufers und der jungen Frau ohne Namensschild retten – die zieht es aber vor, schon dem nächsten Interessenten zu fragen, was sie nicht für ihn tun kann. Halb draussen sehe ich die beiden Glas-Büros der Verkäufer. Einer tippt auf seinem Tablet herum und stochert in einem Salat – Essen also, das nicht mal kalt werden würde, wenn er sich um den Kunden kümmert.

Später am Tag Besuch auf Opel.de – mit dem etwas komplizierteren Konfigurator den Adam konfiguriert – am Ende bekommt man einen Preis – nur keinen Leasing Rechner. Hä? Kein Mensch kauft in Deutschland mehr bar – und das auch nicht erst seit gestern, oder? Also: Anfrage versenden. In die Anfrage schreibe ich artig alle relevanten Parameter rein, Laufzeit, Anzahlung – da bleibt keine Frage offen, damit kann man mir ein Leasing-Angebot machen – meinethalben ein vorläufiges, bevor meine Kredit-Parameter geprüft sind.

...dieses Zusatz-Krempel wollte ich gar nicht

…dieses Zusatz-Krempel wollte ich gar nicht

Montag… Nichts. Dienstag… Nichts. Mittwoch… Anfrage noch einmal angeschickt und eine Mail an die drei nächsten Händler im Umkreis sowie zwei, die in der Nähe der Firma sind – da wird ja wohl einer antworten, richtig? Donnerstag… nichts. Freitag – Ping!

Re: Leasing-Anfrage Opel Adam Rocks.

Ich öffne die Mail und lese mit Erstaunen, dass man mir natürlich ein Angebot machen könne – man bräuchte dafür nur einen Wunsch bezüglich Laufzeit, eventueller Anzahlung… Diese Angaben befinden sich alle in der Mail – die ist jedoch 3 Mal im Haus weitergeleitet worden und offensichtlich nicht bis unten gelesen worden…. Freitag Abend dann: Eine sehr nette professionelle Mail von einem anderen Händler, die mit einer Entschuldigung bezüglich der langen Bearbeitungszeit beginnt. Geht doch. Dann ein paar nette Worte, die Wiederholung meiner Leasing Parameter und der Preis: 242,71.

What? 54€ mehr? das summiert sich zu stolzen 2600€. Die enthaltene Differenzkaskoversicherung und Leasingratenversicherung Plus, die im Angebot enthalten ist, hatte ich nicht angefragt – also kurze Nachfrage, schnelle Antwort – ja, die könne man raus nehmen, spare dann 3,98€.

reisst uns auch nicht vom Hocker - zudem fehlen der Mail diverse Angaben...

reisst uns auch nicht vom Hocker – zudem fehlen der Mail diverse Angaben…

Tage später erreicht mich ein weiteres Angebot – exakt gleiche Parameter – aber für 231€. Hm… Immer noch ein Stück weit weg. Aber es geht um Deine Tochter. Die ruft Dich am nächsten Tag an und sagt, sie stünde mit Basti bei einem Opel Händler – der habe einen Adam Rocks der super sexy aussieht, 9 Monate alt, 7.000 Kilometer und eine Traaaaauuuumm-Ausstattung und natürlich viel billiger als neu. Eine Stunde später Probefahrt – ich rede derweil mit dem Verkäufer zum Thema Leasing. „Leasing? Das ist ein Gebrauchter – den kann man nicht verleasen.“ Aha… Habe ich zwar schon 2 Mal gemacht, ist aber verboten, wie ich lernen muss. Zielfinanzierung gibt es natürlich, klar… Kein Problem… Kurz die Maschine angeworfen…. 278€ im Monat.

WHAT?? Der Gebrauchte ist also teurer?

Ginge es hier nicht um meine Tochter…. Witzig: Abends zeigt mir meine Tochter, was passiert, wenn man OPEL ADAM LEASING googelt – Obwohl es auf der Opel WebSite keinen Leasing Rechner gibt, gibt es eine Aktionsseite von Opel zum Thema ADAM und LEASING. Hier zeigt Opel also, dass sie Leasing schon online berechnen können – nur….: Hier gibt es nur Angebote für zwei Modelle und drei Extras. Als Beispiel! Was soll das denn bitte? Und dafür gibt das Opel-Marketing Geld aus?

Mazda: Alle Optionen online - kein Problem. Und die Händler kommen auf die zu

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Fazit: Hier knarrt es noch mächtig im Gebälk. Opel könnte 8% Marktanteil haben, wenn sie Kundenchancen konsequent nutzen. Nicht einer der insgesamt 6 Händler hat mal nachgefragt, was aus der Anfrage geworden ist – die meisten haben sie ja eh vollständig ignoriert. Der besuchte Händler hat einen Kunden, der schon in der Niederlassung war, nicht bedient, die Opel-WebSite kann bis heute keine Leasing-Rate rechnen (Konnte Audi übrigens schon 1999) – was soll ich denn als Kunde noch tun, um ein Angebot zu bekommen?

Eine Woche später fahren wir in den Urlaub. Auf der Fähre sieht meine Tochter den neuen Mazda MX5. Die Mobile WebSite von Mazda.de erlaubt das Konfigurieren ebenso  wie sie Leasing-Angebote berechnen kann. Meine Tochter versendet von ihrem Handy aus 2 Anfragen an lokale Händler. Beide rufen am Folgetag zurück. Einer schickt nach dem Gespräch ein geändertes Angebot, weil er gerade bessere Konditionen geben kann als die WebSite. Am Ende ist der MX5 billiger als der Opel Adam Rocks – und der Händler kümmert sich drum.

Und jetzt alle mal kurz raten: Welchen Wagen fährt meine Tochter jetzt?



Ein Gedanke zu „;Opel könnte viel mehr Autos verkaufen – müssen sie aber wollen…

  1. Entspricht exakt meinen Erfahrungen. Aufgewachsen inRekird C und D, Jahrzehnte später: Drei Versuche bei drei Händlern, einen Adam zu kaufen. Alle fehlgeschlagen. Drei weitere Versuche, den geleasten Adam aus dem Vertrag herauszukaufen oder zumindest den Vertrag zu verlängern. No way. „Das geht nicht“, „Das machen wir nicht“, „Das können wir nicht“. Ging wohl eher umd Nicht-Wollen. Da wurd’s dann halt eine gut ausgestattete A-Klasse. Nur nicht für die Tochter, sondern für den Mitarbeiter. Dafür zu besseren Konditionen, als sie der einzige Opel-Händler anbieten wollte, der dann nach mehreren Wochen und ebensovielen Nachfragen doch noch unwirsch reagierte, Nachfragen bei der Bank ergaben, dass es theoretisch durchaus möglich sein sollte, einen Adam beim Opel-Händler zu kaufen. Theoretisch. So ist der Firmen-Fuhrpark wieder opelfreie Zone.

    (Freue mich aber sehr, diese schöne Seite gefunden zu haben!! Gute Fahrt!!)

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