Peugeopel – A Marriage made in Hell?

Hm… nun ist es also raus: GM verhandelt über den finalen Dolchstoß für Opel; den Verkauf an Peugeot.

Und wenn das der letzte Akt der Ehe Opel und General Motors ist, dann muss man sagen: Da passt dann mal wieder alles ins Gesamtbild. Geil vor allem, wenn man dann hören muss, dass GM sich von Opel (in aller Fairness: und Vauxhall) trennen möchte, weil sie die Verluste satt haben. Da darf man sich schon mal fragen, welcher Teil der Verluste eigentlich auf kurz-, mittel- und langfristige Management Fehler bei Opel zurückzuführen ist. Da denke man nur an hausgemachte billigere Konkurrenten, die unter koreanischer Flagge auf denselben Märkten verkauft wurden. Spar-Desaster, die Opel und Vauxhall in die Krise getrieben haben, falsch verstandene Hilfsmaßnahmen ohne entfernte Kenntnisse europäischer und ganz im speziellen Deutscher Marktgegebenheiten – wir fügen hier mal ein mentales Leerfeld ein, dass jeder für sich selbst ergänzen darf.

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Lassen wir das.

Wie können die Szenarien aussehen? PSA ist – wie GM oder FIAT – einer der Großkonzerne, die keinen Ruhm bei der Integration fremder Marken geerntet haben. In aller Fairness: Das ist kein leichtes Geschäft, aber wenn es einfach wäre, könnte es ja auch jeder Depp machen.

Peugeot und Opel haben in der Vergangenheit hier und da schon zusammengearbeitet, ohne das an die große Glocke zu hängen. Das ist am Ende des Tages heute wohl unvermeidlich, wenn man Skaleneffekte erreichen will, die naturgemäß mit großen Einkaufs- und Produktionsmengen einhergehen. So weit so gut.

Eine Fusion beider Marken wirft erst einmal erhebliche Fragen auf. Wo ist eine sinnvolle Interessenlage gegeben?

Die Modellpaletten sind weitgehend identisch – Vollsortimenter ohne Oberklasse aber mit dem bislang eher fruchtlosen Versuch des Aufbaus einer Premium-Marke unter dem Siegel DS. Hier ist also kein Szenario gegeben, dass sich komplementär ergänzen könnte, sondern eher das Szenario Hyundai <=> Kia, bei dem auf einer Plattform zwei identische Modellpaletten mit einem Schleifchen hier und da bestehen.

Bei Fairer Betrachtung sind Hyundai und Kia damit relativ weit gekommen –  der Konzern gehört heute zu den 4 größten Automobilherstellern unter der Sonne – not bad und vor allem mit dem Potenzial GM mittelfristig zu überholen. Bevor man also den Kopf in den Sand steckt: Eine solche Ehe kann funktionieren. Und machen wir uns nichts vor: Die Ehe mit GM funktioniert schon seit langer langer Zeit nicht mehr – kann das noch so viel schlimmer werden? Denken wir mal an die Gefallenen – Saab etwa…
Mutig gesponnen: in so einer Ehe müssten nicht einmal Arbeitsplätze drauf gehen – zumindest in Excel und Powerpoint lassen sich hier Szenarien aufbauen, bei denen die Kostenvorteile zu höheren Absatzzahlen und Investitionsmöglichkeiten führen, die entsprechend den Bedarf nach höheren (oder gleichen) Produktionskapazitäten nach sich ziehen. Wie gesagt: Ist ein Szenario – war die Mondlandung aber auch.

Solche Szenarien funktionieren natürlich eher im Bereich der Produktion als im Bereich der Konstruktion, soviel ist klar. Und in diesem Bereich wird ohnehin einiges umgewirbelt (und verkleinert) werden, weil ein höherer Anteil an Elektromotoren unweigerlich zu geringerem konstruktiven Aufwand führt – bis hinein ins Tooling und geringerer Produktionskomplexität.

ausgerechnet jetzt…

Die Probleme können da aber on Top noch auf ganz anderer Seite entstehen. Opel hat sich nach einen schlimmen Qualitätstief erholt – und ist gerade an der Stelle im Zyklus, in dem sich das herumzusprechen scheint und die Marktanteile wieder wachsen. Im Bereich Qualität gelten französische Automobilhersteller am Stammtisch etwa ebenso viel wie Deutscher Käse auf dem französischen Wochenmarkt in der Provence: Nichts. Ein Japanischer Hersteller würde geduldet werden – vielleicht gar ein Koreanischer, die ja sogar von Deutschen Vorständen der Automobilbranche bereits öffentlich unfreiwillig gelobt wurden. Aber ein Franzose? No way.

In UK kann das ganz anders aussehen. Französische Hersteller haben dort lange nicht den Makel, den sie in Deutschland vielerorts, vor allem in ländlichen Bereichen, haben. In den schlimmsten Phasen britischer Automobilbauqualität haben Franzosen stets solide Absätze im vereinigten Königreich gehabt – und haben sie bis heute, obwohl die Japaner ihnen dort natürlich erheblich in die Quere gekommen sind. Dennoch – dieses Problem ist ein Deutsches.

Auf anderen Märkten würde das auch keine Rolle spielen – Russland etwa, wo sich GM zunehmend zurückzieht. Dort könnten Opel-Fahrzeuge verkauft werden und die Drehzahlen erhöhen.

Man sieht also: Das kann am Ende des Tages mit ein paar Einschränkungen klappen.

Würden wir darauf einen klapprigen Peugeot 309 verwetten?

Hm… wohl kaum.

Wo steht Opel beispielsweise in einer Markenmatrix des Konzerns – sicherlich unter Citroen – aber auch unter Peugeot? Kann Opel als Billigmarke innerhalb des Konzerns herhalten? Keines dieser Szenarien ist aus Marktsicht richtig attraktiv, würde immer eine andere Marke kanibalisieren.

Und irgendwo in diesem Spiel müssten doch auch Menschen eine Rolle spielen, oder?

Dennoch: Nicht den Kopf in den Sand stecken, bevor nicht die Fakten auf dem Tisch liegen. Wir bestellen jedenfalls den neuen Insignia.




4 Gedanken zu „Peugeopel – A Marriage made in Hell?

  1. Um ein Song von Wir Sind Helden zu zitieren: Sie haben uns an die PSA-Gruppe verkauft jeder Vollidiot weiß das dies die Liebe (und Qualität ) versaut.
    Oder:
    Am Tag als meine Marke starb,dies ist ein schwerer Tag weil für mich eine Welt zerbrach.
    Also ich habe jahrelang all den Spot ertragen, fast täglich anghört wie Scheiße Opel angeblich sein soll. Ich habe Opel immer verteidigt aber jetzt ist für mich Schluss. Da kann man nur hoffen das die jetzige Palette an Astra H bis Corsa D noch lange im Umlauf ist.
    (damit ich als gebrauchtkäufer lange freude habe)
    By By Opel

  2. Die ganze Aktion ist schwer zu verstehen. Opel ist unverkennbar auf dem Weg der Besserung, noch ein, zwei Jahre mit Verlusten und vermutlich wäre man wieder in den schwarzen Zahlen.
    Hinzu kommt, wie will GM ohne den Techniktransfer aus Rüsselsheim klarkommen? Zahlreiche PKW-Modelle, die als Buick, Chevrolet oder Holden vermarktet werden, sind bekanntermaßen Opel-Konstruktionen. GM hat kaum noch Kompetenzen in der PKW-Entwicklung.
    GM liefert mit dieser Entscheidung den endgültigen Beweis für totale Inkompetenz. Die anfänglichen Hoffnungen, die man in Mary Barra haben konnte, haben sich in Luft aufgelöst. Es scheint nur der schnelle Profit zu zählen. Möglicherweise hat es aber auch etwas mit dem Psychopathen im Weißen Haus zu tun.
    So gesehen könnte man sich über die nun wohl anstehende Trennung freuen, immerhin versteht PSA mehr vom europäischen Markt als die Amerikaner. Aber was wollen die Franzosen mit Opel? Ich will nicht glauben, dass man nur einen lästigen Konkurrenten loswerden will, indem man ihn erwirbt und dann einschläfert. Dazu ist Opel/Vauxhall denn auch zu groß. Außerdem würde ja nicht jeder Opel-Kunde zu einem Citroen oder Peugeot greifen, wenn es seine Marke nicht mehr gibt – Fragen über Fragen.
    Vermutlich wird die Unsicherheit aber zunächst mal, wie 2008/2009, dem Absatz schaden und das gerade in dem Moment, in dem der Hoffnungsträger Insignia II auf den Markt kommt – einfach nur traurig!
    Hoffentlich werfen KTN und Frau Müller nicht in den nächsten Wochen das Handtuch.
    Zum Schluß noch ein bisschen Boshaftigkeit: Falls es zu Werksschließungen kommt ist vermutlich Ellesmere Port in GB das erste Opfer. Das wäre zumindest die gerechte Strafe für den Brexit-Wahnsinn.

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