Rekord-Fahrleistungen im Omega A – Erinnerung an eine tolle Zeit

Nachdem ich zusammen mit meinem Calibra meine spätere zweite Frau kennen gelernt hatte, wechselte ich tatsächlich in die Beratung – eine Berufsgruppe, die mir eigentlich lange Zeit immer ein wenig suspekt gewesen war…

Der Opel Omega A ist weit zäher, als man oft liest – und ich hab es probiert (Szene aus DREAM WARRIOR)

Zunächst war ich Freelancer gewesen, Projektmanager für 15 Monate für ein Projekt in Dortmund und Frankfurt. Meine getrennte Familie lebte im Rheingau, meine möglicherweise neue Frau in Gießen.

Also traf ich eine pragmatische Entscheidung und zog nach Haiger, was tatsächlich auf eine schräge Weise in der Mitte liegt. Der Calibra kam weg, ich erwarb einen Opel Omega A, ein recht spätes Modell mit 2,4 Litern Hubraum und Automatik. Ein tolles Autobahn-Auto – und wer wüsste das besser als ich? In diesem ersten Jahr zwischen Bingen, Frankfurt, Dortmund, Gießen und Haiger legte ich satte 55000 Kilometer zurück, im folgenden Jahr gar knappe 70.000. Und das mit dem Prügelknaben der Nation, von dem das ganze Land zu wissen schien, dass er eigentlich aufgrund seiner mangelnden Zuverlässigkeit kaum den Weg von Zapfsäule bis Strasse schaffte….

Kurven konnte der Omega besser als fast alle anderen – nicht umsonst schlug sein Senator-Bruder die Premium-Bande in den meisten frühen Tests – zurecht

Ja ja… Und alle sprachen mich darauf an. Meine 125.000 Kilometer und die 80.000, die schon drauf waren, machten > 200tkm, als ich den Wagen wieder verkaufte – und da hatte er auf meinen 125.000 Kilometern nur einen einzigen echten Defekt gehabt: Eine kaputte Wasserpumpe. Dieser Defekt trat auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Gießen auf, an der sich ein toller Schrottplatz befindet – bis heute. Also fuhr ich runter und fragte. Tatsächlich durfte ich mir eine aus einem Omega ausbauen, die ich stehenden Fußes in meinen Wagen wieder einbaute, das wars. Rost am hinteren Radlauf rechts kam dazu, aber nicht in kritischer Form.

Ersetzt wurde der Wagen durch einen 2,6 Liter Omega, der noch 35.000KM mit mir durchstehen musste, bis ich ihn im Westerwald kurz vor Herborn heftig zerlegte – Schnee, Hektik, Selbstüberschätzung – und das erste Kind meiner zweiten Frau kurz vor der Entbindung…

Eine viel lebens- und liebenswertere Gegend, als man oft meint: Der Westerwald. Aber eben auch sehr Schnee-sicher…

Dann war die Zeit der A-Omegas vorbei und ich wechselte zu Dienstwagen, die mir schon seit einiger Zeit zustanden.

Aber dennoch: Meine Omegas habe ich geliebt. Speziell der 4 Zylinder Omega hatte immer noch dieses Brummige Organ, das schon der Rekord D hatte. Das Opel-Geräusch, das ich bis heute überall raushören kann – und das, obwohl der Omega ja schon keinen Vergaser mehr hatte und ähnliches. Da ist etwas heimeliges in diesem Geräusch.

Hinzu kommt, dass ich bis heute finde, dass der Omega eines der besten Fahrwerke seiner Zeit hatte. Im Grunde würde ich sagen, dass nur der 5er BMW ab Mitte der 80er Jahre ein besseres hatte. De Mercedes E-Klasse war tranig dagegen und bei weitem nicht so gut auf Schnee. Der Ford Scorpio war auch nicht übel, aber nicht so ausgeglichen wie der Omega und in ganz hohen Geschwindigkeitsbereichen zu schwammig, gemessen am Omega.

Der Fortschritt gegenüber dem Opel Rekord E war unglaublich hoch – das DSA Sicherheitsfahrwerk hatte seinen Namen verdient. Der Opel Omega B war hier und da noch besser, jedoch ist die Gewichtsverteilung des Omega A irgendwie logischer und speziell auf nassem Untergrund oder Schnee leichter zu beherrschen als im Nachfolgemodell.

Der Raum-Traum. Speziell hinten sitzende konnte der Omega A immer überraschend überzeugen, selbst, wenn sie das eigentlich nicht wollten

Jenseits dessen war das Maß einfach gut: Der Ford war fast schon sinnlos groß vor der hinteren Sitzbank – ein wenig wie heute der große Skoda. Die Sitze des Omega A waren gut und vor allem haltbar und langstreckentauglich – und hier nochmals: Ich bin mit dem Omega im Schnitt fast 200 Kilometer pro Tag gefahren, oft auch weit weit mehr – da soll mal einer was gegen die Langstreckenqualitäten des Omega A sagen.

In Aller Fairness: Der 2.6er verlor etwas Öl, aber ich hatte nicht die zeit, mich darum zu kümmern, bevor ich ihn zerstörte. Immerhin hatte der da aber auch schon um die 200.000 Kilometer drauf.

In meiner ganz persönlichen Wahrnehmung – und unsere Umfrage hier hat das auch gezeigt – ist der Opel Omega A vielleicht wirklich der letzte echte Opel gewesen. Einer, der mit sehr viel Herz und Bauch entwickelt wurde. Und einer, der interessanter Weise gar nicht so ein Flop war, wie man hin und wieder liest – entgegen einer populären Behauptung, die man auch in Opel-Foren immer wieder findet, brachen die Verkäufe des Opel Omega nicht ein gegenüber dem Rekord E – das fühlte sich vielleicht in der Autobild so an, ist aber in messbaren Fakten Schwachsinn. Vielen kam diese praktische Lüge entgegen, weil es Opel schwach aussehen ließ und keiner eine Verlierer-Marke fahren wollte. Ford wäre beispielsweise froh gewesen, wenn sie an die Verkaufszahlen des Omega herangekommen wären…

Aber das kennst Du als Opel Fahrer: Das postfaktische Zeitalter ist bei uns schon irgendwann in den 80er Jahren angebrochen….




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